Redebeitrag: Es reicht. Schluss mit dem Neonazi-Festival „Eichsfeldtag“ in Leinefelde

Willkommen auf unserer Demonstration unter dem Titel “Schluss mit dem Neonazi-Festival Eichsfeldtag in Leinfelde.” Wir möchten alle begrüßen, die unserem Aufruf gefolgt sind und heute nach Leinefelde gekommen sind. Im Folgenden möchten wir noch einmal klarstellen, weshalb wir es für notwendig halten, heute gegen den Eichsfeldtag zu demonstrieren.

Der Eichsfeldtag findet dieses Jahr zum sechsten Mal (bin mir sicher das es zum achten mal ist) in Folge statt. Von Beginn an war dieses Neonazi-Festival in Thorsten Heises Vorgarten in erster Linie eines von vielen Neonazi-Festivals und -Konzerten in Thüringen. Wir sind nicht hier, um dezidiert Leinefelde oder seinen Ruf zu verteidigen. Wir sind hier, weil es uns ankotzt, dass die rechte Szene in Thüringen seit Jahren, ja seit Jahrzehnten nach Herzenslust ihre Musikveranstaltungen durchführen kann. 2017 gab es 59 Konzerte in Thüringen, von denen wir wissen. Das ist mindestens eines pro Woche. Kein Wunder in einem Bundesland, in dem die rechte Szene Immobilien ohne Ende besitzt, sich problemlos größere Locations mieten und sogar Festivals auf kommunalen Flächen durchpeitschen kann.

Vom “Fest der Völker” über den “Thüringentag der nationalen Jugend”, “Rock für Deutschland” und “In Bewegung” bis zu “Rock gegen Überfremdung” oder dem “Eichsfeldtag” – die Strukturen, die derartige Blüten der Geschmacklosigkeit hervorbringen, sind nicht auf Sand gebaut. Dabei geht es um so vieles mehr als menschenverachtende Musik.

Auf den Festivals und Konzerten in Thüringen treffen und vernetzen sich rechte Strukturen auf nationaler und internationaler Ebene. Nicht zufällig liefen sich bei Heises “Schwert und Schild”-Festival im sächsischen Ostritz internationale Szenegrößen aus dem Blood-and-Honour-Netzwerk über den Weg. Nicht zufällig unterhält Heise laut einer Recherche von Exif regen Kontakt zum bewaffneten Arm “Combat 18” des rechten Musiknetzwerkes. Diese Veranstaltungen dienen dem zahlungswilligen Fußvolk der rechten Szene zur Unterhaltung und den Fädenziehern bewaffneter Netzwerke als Treffpunkt und Prestige-Projekt.

Ganz nebenbei bieten die rechten Festivals eine wunderbare Finanzspritze für die Neonazi-Szene. 200.000€ Gewinn für die Neonazis bei “Rock gegen Überfremdung” 2017 in Themar, 4000-5000€ für jedes Konzert in der Kirchheimer Erlebnisscheune, dazu kommen Einnahmen aus dem Verkauf von CDs, T-Shirts, Waffen und Klimbim über mindestens 4 Thüringer Neonazi-Onlineshops. Dass Vernichtungsfantasien und Entmenschlichung zum Lifestyle werden, hilft den Neonazis sowohl politisch als auch finanziell.

Dagegen steht auf staatlicher Seite ein “Leitfaden zum Umgang mit rechten Konzerten in Thüringen”, der nicht greift und auf bürgerlicher Seite ein Protest, der vielerorts nur darauf abzielt, den Standort zu schützen. “Unser Kuhkaff ist weltoffen”, “Hintertupfingen bleibt bunt” und andere Slogans werden ausgekramt, wenn wieder ein neues 500-Seelen-Dorf in der Thüringer Pampa in der Lostrommel der Neonazis als Veranstaltungsort für ein rechtes Festival gezogen wird. Dabei sollte eines klar sein: Jeder Landstrich in Thüringen hat ein Neonazi-Problem. Es tritt nur mal mehr und mal weniger offensichtlich in Erscheinung. Es reicht nicht, nur seinen eigenen Flecken Erde gegen vermeintliche einfallende Neonazi-Horden verteilen zu wollen.

Das Verbot des Neonazi-Festivals in Mattstedt durch das Innenministerium hat eines ganz deutlich gezeigt: Wenn die Rechten ihr Konzert nicht in Ort A machen können, dann machen sie es eben auf Acker B, beispielsweise bei Tommy Frenck im Kloster Vera. Es hilft also nichts: Es müssen Konzepte erarbeitet werden, der Neonazi-Szene landesweit und auch bundesweit entgegenzutreten, um die rechten Konzerte zu verhindern.

Uns ist es egal, ob Heise und seine Freunde ihr Festival in Leinfelde, Duderstadt, Worbis oder Mühlhausen abhalten. Solange diese Veranstaltungen überhaupt stattfinden, muss dagegen vorgegangen werden.

Wir sagen: Es reicht. Schluss mit allen Neonazi-Festivals. Keinen Cent der Rechtsrock-Industrie.

 

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